23 Jahre Scheselong

Scheselong - der Name steht bei Fans für Rock mit bissigen Texten, mit Rhythmus für Herz und Hose. Im Unterschied zu den meisten DDR Bands war Scheselong von Anfang an eine Profikapelle. Mit Scheselong griffen die Musiker den Zeitgeist auf und zeigten das auch optisch mit ihrer abgefahrenen Bühnenshow. Maßgeblich geprägt wurden die Auftritte der Band vom Gründungsmitglied Klaus Schäfer (voc), einem geborenen Schauspieler, der heute beim Berliner Kabarett "Die Wühlmäuse" wirkt. Schäfer tat sich durch eine ständig wechselnde Bühnenverkleidung besonders hervor und erschien in extravaganten Verkleidungen. Mit der Gründung im Dezember 1981 legte die Band einen Blitzstart hin. Bis 1985 war Scheselong bei bis zu 200 Gigs pro Jahr von sämtlichen Großveranstaltungen nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Platten-, Rund funk- und TV-Produktionen folgten. Schließlich machten die Fans Titel wie "Der letzte Walzer für uns zwei" (1984) und "Der Straßenkehrer" zu Nr. 1-Hits der DDR-Charts. Trotz allem Erfolg war Scheselong nie stromlinienförmig. Gerade bei Live Auftritten spielte die Band gern umstrittene Titel wie "Der Knopfdrücker", Songs, die unter der Kontrolle der damaligen Konzert- und Gastspieldirektion nie produziert werden durften. In der Folge standen die Musiker unter regelmäßiger Überwachung und das bandeigene Motto hieß: "Der Anschiß lauert überall". Mehr oder weniger offensichtlich waren Versuche der DDR-Musikindustrie, die Band in die Klamauk-Schublade zu zwängen, um den teilweise zweideutigen Texten die in ihnen steckende Schärfe zu nehmen.

Das Konzept der Band war allerdings bis heute ein anderes. Dazu gehört auch die Vorgeschichte der beiden heute noch aktiven Bandmitglieder Micha Kranz und Dirk Münster. Sie gaben bis 1981 in dem Projekt "Gatalula" hauptsächlich Instrumentals in einer Art Jazz-Latin-Rock zum Besten. Besonders im Kellertheater Magdeburg waren sie oft mit aufwendigen Produktionen zu sehen, wie der Vertonung von Hermann Hesses "Steppenwolf'. Die Querflöte spielte damals noch Arnulf Wenning. Mitte der 90er gab es die Wiedergeburt von Scheselong.

Seitdem spielen die Jungs in der aktuellen Besetzung Dirk Münster (g, voc), Micha Kranz (g), Bernd "Affe" Schilanski (dr), Friedhelm Ruschak (b) und Uwe Hollatz (key) zusammen.
Man kann sie nur lieben oder hassen. Heute geht es bei Scheselong zu "wie beim betreuten Wohnen", sagen Münster und Kranz schmunzelnd. Man kennt sich so gut, eine eigene Sprache hat sich entwickelt. Die Jungs haben des Mannes bestes Alter erreicht, bei dem nichts mehr eilt. Wie ein guter Whisky reift das Zusammenspiel zwischen den Instrumenten. Immerhin war die Band schon mal support-act bei Roger Chapman (ex-Family) und Jethro Tull.